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Tod eines Engländers

von
Magdalen Nabb

Florenz, kurz vor Weihnachten. In einer kleinen Polizeiwache klingelt zu nächtlicher Stunde das Telefon. Der Leiter der Dienststelle, Wachtmeister Salvatore Guarnaccia, liegt mit einer schweren Grippe im Bett und so geht der unerfahrene junge Carabiniere Bacci ans Telefon. Fünf Minuten später macht er sich auf in die Via Maggio. Ein Engländer, der mit Antiquitäten handelte, wurde vom Putzmann des Hauses in seiner Wohnung erschossen aufgefunden.

Von der Situation überfordert, holt Carabiniere Bacci den kranken Wachtmeister aus dem Bett. Im Schlafzimmer des Toten entdecken sie einen offenen Tresor, in dem eine halbe Million Pfund Sterling in verschiedenen Währungen liegen. Außerdem finden sie eine wertvolle, gestohlene Keramikbüste aus dem 15. Jahrhundert. Da der Tote einflussreiche Verwandte in London hat, schalten sich zwei Beamte von Scotland Yard ein. Gemeinsam bemüht man sich, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch erst der kranke Guarnaccia löst das Rätsel.

Magdalen Nabbs Roman irritiert. Was sich nach einem spannenden Kriminalfall anhört, entpuppt sich bei weiterem Lesen als gemächlich plätschernde Krimikost. Die Autorin, die 1947 in Lancashire, England, geboren wurde und die seit 1975 in Florenz lebt, schildert in „Tod eines Engländers“ eingehend die Untersuchungsarbeiten der italienischen Polizei. Raffiniert ausgesäte Spuren wie das Geld im Tresor, das Nummernkonto des Engländers in der Schweiz oder ein wegen Hehlerei vorbestrafter Gemüsehändler, der den Engländer mitten in der Nacht mit einem Transporter aufsucht, lassen den Leser vermuten, dass der Tote in illegale Geschäfte verwickelt war.

Eindrucksvoll lässt Magdalen Nabb Florenz vor unseren Augen auferstehen, beschreibt sie Plätze, Kirchen und Restaurants, doch leider kommt die Geschichte nie so richtig in Gang. Der Plot klingt verheißungsvoll, man erwartet gespannt eine ausgeklügelte Story?, doch die Auflösung des Falles scheint banal, geradezu enttäuschend, nicht zuletzt, weil die Spuren, die Magdalen Nabb streut, im Sande verlaufen. Der Plot besitzt zwar ein Skelett samt dem dazugehörigen Fleisch, doch diesem Fleisch fehlen die Adern und das Blut, die es lebendig halten. Selbst Momente, in denen man hofft, dass es spannend wird, versickern in kühler, emotionsloser Gleichgültigkeit. Wachtmeister Guarnaccia ist sympathisch, weil menschlich, er ist erkältet, hustet, fiebert, doch bedauerlicherweise hat er seinen großen Auftritt erst im letzten Drittel des Buches und so sehnt man sich nach einem Protagonisten, der es schafft, über 219 Seiten hinweg zu fesseln.

Wer ein ruhiges Buch sucht, das von seinen Beschreibungen lebt, ist mit „Tod eines Engländers“ gut bedient. Wer jedoch spannend unterhalten werden und mitfiebern möchte, dem sei von Magdalen Nabbs Buch abgeraten. Zumal die Auflösung des Falles wie eine Notlösung daherkommt und nicht wie ein sorgfältig geplantes Finale.

Autorin: Martina Moritz

Literaturangaben

  • Nabb, Magdalen: Tod eines Engländers. Roman. Diogenes Verlag, Zürich 1991. 224 S., 8,90 €, ISBN: 978-3257219999


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