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Musil, Robert

Robert Rudolf Matthias von Musil (geb. 6. November 1880 in Klagenfurt; gest. 15. April 1942 in Genf) war ein österreichischer Romancier?, Erzähler und Journalist. Der Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ hat seinen Weltruhm begründet.

Leben

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Robert Musil wurde am 6. November 1880 als Sohn eines Waffenfabrikdirektors und späteren Hochschulprofessors in Klagenfurt geboren. Von 1892-1897 besuchte er verschiedene Militärerziehungsanstalten - zuerst in Eisenstadt, dann in Mährisch-Weißkirchen – und wurde Offizier. 1897 begann er seine Ausbildung zum Artillerieoffizier an der Technischen Militärakademie in Wien. Im Dezember desselben Jahres brach er die Ausbildung ab und wechselte an die Technische Hochschule in Brünn, wo er Maschinenbau studierte. Nach der zweiten Staatsprüfung schrieb er sich zum Studium der Philosophie, Psychologie und Mathematik an der Universität Berlin ein. Seine Freundschaft mit Alfred Kerr und Franz Blei? hat ihren Ursprung in dieser Zeit. In Berlin promovierte er zum Dr. phil. Eine akademische Laufbahn, die ihm offen gestanden hätte, schlug er aus. Stattdessen entschied er sich für ein Leben als freier Schriftsteller. 1911 heiratete er die Malerin Martha Marcovaldi-Heimann. 1913 siedelte er nach Berlin über, wo er als Redakteur? der im S. Fischer Verlag? erscheinenden Literaturzeitschrift? „Neue Rundschau“? tätig war. Die Zeitschrift war ein wichtiges Forum für moderne Literatur? in Deutschland.

Bereits 1906 war sein Debüt? „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ erschienen, das ihn als Schriftsteller bekannt machte. Drei Jahre hatte Musil an der Erzählung gearbeitet. Darin schildert er die seelische Krise eines sensiblen Knaben, der ein Internat in der österreichischen Provinz besucht. 1911 folgte der Band „Vereinigungen“, der die beiden Novellen „Die Vollendung der Liebe“ und „Die Versuchung der stillen Veronika“ enthält. Die Novellen, in denen die psychische Grenzerfahrung des Ehe- und Treuebruchs minutiös dargestellt wird, gelten als Vorstufen zu Musils Hauptwerk „Der Mann ohne Eigenschaften“.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog Robert Musil begeistert ins Feld. Als Reserveoffizier war er in Südtirol und an der italienisch-serbischen Front stationiert. Von 1916-1918 war er für die „Südtiroler-Soldaten-Zeitung“ und die „Heimat“ tätig. 1918 wurde er als Hauptmann aus dem Heer entlassen. Im Anschluss ging er nach Wien, wo er das Bildungsamt im Heeresministerium leitete.

1921 veröffentlichte Robert Musil das Schauspiel? „Die Schwärmer“, das am 3.4.1929 in Berlin uraufgeführt? wurde. 1923 wurde Musil von Alfred Döblin für das Stück der Kleist-Preis? zugesprochen. 1924 legte Musil im Ernst Rowohlt Verlag? den Band „Drei Frauen“ vor, in dem die Erzählungen „Grigia“, „Die Portugiesin“ und „Tonka“ enthalten sind. Im selben Jahr erschien die Posse? „Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer“. Auch in diesem Stück sind bereits Motive? enthalten, die Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“ wieder aufnimmt.

Von 1922 an lebte Robert Musil als freier Schriftsteller in Wien und Berlin. 1925 begann er mit der Arbeit an seinem Lebenswerk „Der Mann ohne Eigenschaften“, dessen unvollendeter dritter Band erst nach seinem Tod erschienen ist. Der Roman nimmt in der modernen deutschsprachigen Literatur? eine herausragende Stellung ein, vergleichbar mit Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ und Hermann Brochs? „Die Schlafwandler“. In „Der Mann ohne Eigenschaften“ sprengt Musil die traditionelle Romanform, indem er wissenschaftliche Essays, kulturkritische Abhandlungen? und umfangreiche Selbstreflexionen des Protagonisten in das Werk integriert. Bis heute spielt Musils Roman eine wichtige Rolle in der Diskussion um eine zeitgemäße Romanform. Die Veröffentlichung des ersten Bandes, der 1930 im Ernst Rowohlt Verlag? erschien, war ein literarisches Ereignis. Selten wurde im deutschen Feuilleton? ein Roman mit so vielen Superlativen gefeiert. Ein Erfolg beim Publikum wurde das Buch dennoch nicht.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 ging Robert Musil mit seiner jüdischen Frau nach Wien, wo sie sich niederließen. Als Schriftsteller geriet Musil schnell in Vergessenheit. In Deutschland waren seine Bücher verboten. Unter dem bitteren Titel „Nachlass zu Lebzeiten“ (1936) gab er in Zürich einen Band heraus, in dem seine frühen Essays und Prosastücke versammelt sind. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 siedelte das Ehepaar in die Schweiz über. Sie nahmen zunächst in Zürich, später in Genf ihren Wohnsitz.

Dort starb Robert Musil am 15. April 1942 mitten in der Arbeit am Schlussband seines Romans „Der Mann ohne Eigenschaften“. Todesursache: Gehirnschlag. Er wurde 61 Jahre alt.

Seine Witwe sorgte dafür, dass der dritte Band von „Der Mann ohne Eigenschaften“ 1943 in Lausanne erscheinen konnte. Ihr Vorhaben, eine Gesamtausgabe? des Romans zu veröffentlichen, konnte sie nicht mehr verwirklichen. Sie starb 1949.

Literarische Arbeiten

Die Verwirrungen des Zöglings Törless, Erzählung (1906)

„Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ ist eine Erzählung von Robert Musil, entstanden 1903, erschienen 1906 in Wien. Obwohl Musil durch eigene Erlebnisse in den Kadettenanstalten Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen angeregt wurde, handelt es sich um keine Autobiographie.

Der sensible Sohn des Hofrats Törless wird auf ein Internat geschickt, wo er eine ausgezeichnete Erziehung erhalten soll. Doch durch den Kontakt mit seinen Mitschülern, unter denen sich zwei Sadisten befinden, gerät Törless in eine schwere geistige und seelische Krise. Als die beiden Sadisten einen anderen Mitschüler auf dem Dachboden des Internats quälen, ist Törless als Zuschauer daran beteiligt. Musil stellt in seiner Erzählung dar, wie das Verlangen nach Demütigung und Erniedrigung in jungen Menschen hervortreten kann.

Robert Musil hat sich lange Zeit vergeblich bemüht, für sein Buch einen Verleger zu finden. Erst durch Vermittlung von Alfred Kerr ist Musil an den Wiener Verlag? gekommen, der die erste Auflage? herausbrachte. Folgeauflagen erschienen 1911 bei Georg Müller? in München und 1930 bei Ernst Rowohlt? in Berlin. „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ war Musils einziger literarischer Erfolg.

Der Mann ohne Eigenschaften, Roman (1930-1952)

„Der Mann ohne Eigenschaften“ ist ein Roman von Robert Musil in drei Bänden, entstanden ab 1902, erschienen 1930, 1933, 1943 unvollendet / 1952 aus dem Nachlass?. Der Roman ist Robert Musils Haupt- und Lebenswerk und hat seinen Weltruhm begründet. Als Vorstufe werden Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1902/03 und die Erzählung „Die Verwirrungen des Zöglings Törless“ (1906) angesehen.

Ulrich ist die zentrale Figur des Romans. Seine Existenz hält die verschiedenen Romanteile zusammen. Er ist in seinem Leben mehrfach gescheitert, als Offizier, Ingenieur und Mathematiker. Die Handlung setzt im August 1913 in Kakanien ein, wie Musil die k.u.k. Monarchie nennt. Der wichtigste Handlungsstrang ist die Vorbereitung der „Parallelaktion“ – einer Feier zum 70-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1918. Ulrich ist als Sekretär an den Planungen beteiligt. 1918 ist das Jahr, in dem die Doppelmonarchie untergeht. Dadurch erhält die Handlung einen ironischen Unterton.

Robert Musil hat erklärt, sein Roman sei nicht das Porträt einer vergangenen Epoche, sondern ein literarisches Experiment. Dessen Ziel sei es, an der geistigen und seelischen Verfassung Österreich-Ungarns vor dem Ersten Weltkrieg das Charakteristische offenzulegen. Aufgrund seines Experimentalcharakters ist der Roman noch immer ein bedeutender Gegenstand literaturwissenschaftlicher Forschung.

Auszeichnungen

Übrigens ...

1930 erschien im Ernst Rowohlt Verlag? der erste Band von Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Zwei Jahre später wurde in Berlin die Musil-Gesellschaft? gegründet. Sie bestritt die Lebensgrundlage des Autors, damit er die Arbeit an seinem Roman fortsetzen konnte.

Werke (Auswahl)

  • Der Mann ohne Eigenschaften. Band I. Erstes und zweites Buch. Berlin, Rowohlt Taschenbuch 1994, ISBN: 978-3499134623
  • Der Mann ohne Eigenschaften. Band II. Berlin, Rowohlt Taschenbuch 1994, ISBN: 978-3499134630
  • Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Berlin, Rowohlt Taschenbuch 2002, ISBN: 978-3499103001
  • Drei Frauen. Berlin, Rowohlt Taschenbuch 2005, ISBN: 978-3499100642
  • Frühe Prosa und aus dem Nachlaß zu Lebzeiten. Reinbek, Rowohlt Verlag 1988, ISBN: 978-3498092887
  • Über die Dummheit. Berlin, Alexander Verlag 1999, ISBN: 978-3895810305

Hörspiele

  • Drei Frauen. 3CDs. Bochum, Roof Music 2005, ISBN: 978-3936186789

Sekundärliteratur

  • Berghahn, Wilfried: Robert Musil. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Berlin, Rowohlt Taschenbuch 1963, ISBN: 978-3499500817
  • Corino, Karl: Robert Musil. Eine Biographie. Reinbek, Rowohlt Verlag 2003, ISBN: 978-3498008918
  • Mehigan, Tim: Robert Musil. Ditzingen, Reclam Verlag 2001, ISBN: 978-3150176283

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