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Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar beherbergt literarische Zeugnisse vom 9. bis zum 21. Jahrhundert und stellt sie zur Benutzung bereit. Ihr Bestand umfasst rund 1 Mio. Einheiten. Die Sammlungen bilden den Zeitraum 1750 bis 1850 besonders deutlich ab. Daher gilt die Bibliothek als ein bedeutendes Forschungszentrum für europäische Kultur- und Literaturgeschichte um 1800.

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1990 wurde die Bibliothek nach Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739 - 1807), benannt. Die gebürtige Wolfenbüttelerin war durch ihre Heirat mit dem Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach nach Weimar gekommen und hier als Mäzenin einer unterhaltsam-kulturellen Geselligkeit hervorgetreten.

Im Jahr 2004 wütete ein Brand in dem historischen Gebäude. 2007 konnte es der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Dem Feuer und Löschwasser sind rund 50.000 Bücher zum Opfer gefallen. Weitere 62.000 Exemplare wurden teils stark beschädigt.

In den nächsten Jahrzehnten rechnet man mit der Wiederbeschaffungsmöglichkeit von etwa drei viertel des vernichteten Buchbestandes. Ein großer Teil aber ist für immer verloren.

Geschichte

Als Gründungsjahr der heutigen Herzogin Anna Amalia Bibliothek gilt das Jahr 1691. Die Bibliothek war eine der ersten für die Öffentlichkeit zugänglichen Fürstenbibliotheken?.

Geschichte der Bibliothek

Als Gründer der zunächst im Stadtschloss untergebrachten Bibliothek gilt Herzog Wilhelm Ernst. Der Grundbestand wurde 1691 durch mehr als 500 bereits inventarisierte Bücher aufgestockt, welche Herzog Wilhelm Ernst aus einem Erbverteilungsvertrag zufielen. Dieser Umstand veranlasste den Herzog ab da an zum zielgerichteten Ausbau seiner Büchersammlung, für deren Verwaltung er berühmte Gelehrte als Bibliothekare berief.

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Als öffentlich galt die Bibliothek seit Beginn des 18. Jahrhunderts. Allerdings war der tatsächliche Zugang erst ab 1766 gewährleistet, als der komplette Bestand vom Hofe in das heutige Gebäude umgesiedelt wurde. Mit diesem Schritt, einem Verdienst der jungen Herzogin Anna Amalia, waren die besten Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Bibliothek geschaffen. Auch aus diesem Grund heraus wurde Anna Amalia zum 300jährigen Bibliotheksjubiläum im Jahre 1991 zur Namenspatronin gewählt.

Ausdruck der konsequenten Bibliothekserweiterung war das Anwachsen der Bestände von rund 30.000 Exemplaren im Jahr 1766 auf rund 132.000 Bände im Jahr 1832. Den Großteil bildeten Bücher der Themenbereiche Geschichte und Kunst sowie der europäischen schöngeistigen Literatur.

Herzog Carl August machte 1797 Goethe und seinen Ministerkollegen Voigt für die Bibliothek verantwortlich. In dieser Zeit entwickelte sich die Bibliothek in Weimar zu einer der zwölf bedeutendsten Bibliotheken in Deutschland. Besonders nennenswert, auch in Hinblick auf die Entwicklung der öffentlichen Bibliotheken bis in die heutige Zeit, ist die von den beiden Ministern am 26. Februar 1798 erlassene "Vorschrifft, nach welcher man sich bey hießiger Fürstl. Bibliothek, wenn Bücher ausgeliehen werden, zu richten hat". Darin festgelegt wurden die Öffnungszeiten der Leihstelle, die Leihfrist? sowie die Zulassung junger Leute, sofern Eltern oder Lehrer die Leihscheine? unterzeichnen.

Ende des 19. Jahrhunderts stagnierte die Erweiterung der inzwischen Großherzoglichen Bibliothek aus im Wesentlichen zwei Gründen. Erstens waren die finanziellen Zuwendungen der fürstlichen Familie nicht mehr so umfassend. Und zweitens war es der Weimarer Bibliothek durch die enorm ansteigende Buchproduktion nicht mehr möglich, große Teile der wissenschaftlich wichtigen Veröffentlichungen zu erwerben. Als Ausweg galt eine weitgehende Beschränkung der Sammlung auf die thüringische Geschichte und die klassische deutsche Literatur.

1920, nach Auflösung des Großherzogtums, erhielt die Bibliothek den Rang der Thüringischen Landesbibliothek. Durch den immer geringeren Etat verlor die Bibliothek in den 1920er bis 1940er Jahren gegenüber den anderen Landesbibliotheken mehr und mehr an Bedeutung.

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bibliothek unversehrt. Die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von der Aufgabe, Stadt und Region umfassend mit Literatur zu versorgen. 1969 verband man die Bibliothek mit der wesentlich kleineren Institutsbibliothek der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar. Bis 1990/91 führte die Bibliothek nunmehr den Namen "Zentralbibliothek der deutschen Klassik". Während dieser Zeit wurde die Funktion einer Regionalbibliothek aufgegeben und man konzentrierte sich fortan noch konsequenter auf das Kernsammelgebiet „Deutsche Literatur der Periode 1750 bis 1850“.

Bestandsgeschichte

Von den Anfängen bis 1691

Über die Anfänge der Büchersammlung sind bisher nur wenige Fakten sicher belegt. Nach der Schlacht von Mühlberg an der Elbe verlagerte der sächsische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige seine Wittenberger Bibliothek 1547 in seine neue Residenz nach Weimar. Bald darauf wechselten die meisten Bücher abermals ihren Platz. Von nun an dienten sie als Grundstock der Jenaer Universitätsbibliothek. Laut einer Inventarliste aus dem Jahr 1550 bestand die Weimarer Büchersammlung aus noch 426 Exemplaren.

Vom 3. Juli 1570 an bestand per Verordnung eine Ablieferungspflicht für alle im Land hergestellten Druckwerke, dies übrigens bis in das Jahr 1868 hinein. 1652 stellte Herzog Wilhelm I. den Dichter Georg Neumark als Bibliothekar ein. Neumark war ein Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, der 1617 in Weimar gegründeten ersten deutschen Sprachgesellschaft. Viele Werke der Gesellschaftsmitglieder gingen von da an in den Besitz der Bibliothek über. Bis zum Jahr 1691 umfasste die fürstliche Hausbibliothek schätzungsweise etwa 1.000 Bände.

1691 bis 1797

Am 12. Juli 1691 wurde mittels Teilungsvertrag zwischen den Herzogtümern Sachsen-Weimar und Sachsen-Eisenach festgelegt, dass 500 Bücher der erloschenen Linie Sachsen-Jena von nun an dem Weimarer Hof gehören. Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar nahm diese bereits katalogisierten 500 Bücher zum Anlass, um fortan die Herzogliche Bibliothek konsequent zu erweitern.

In den folgenden Jahren wuchs der Bibliotheksbestand beträchtlich. Als Beispiele seien genannt:

  • 1701 Ankauf der Bibliothek des Weimarer Kanzlers Moritz von Lilienheim mit 1.534 Bänden.
  • 1704 Erwerb der Logaviana, einer Bibliothek des Barons Balthasar Friedrich von Logau aus Breslau mit 6.627 Pergamentbänden, vor allem mit neueren Geschichtswerken.
  • 1706 Ersteigerung der Bibliothek des holsteinischen Gelehrten Marquart Gude mit 1.048 Druckschriften, darunter seltene Ausgaben griechischer und römischer Schriftsteller aus dem 15. und 16. Jahrhundert.
  • 1722 Eingliederung der Bibliothek von Konrad Samuel Schurzfleisch (Wittenberger Polyhistor und seit 1706 Direktor der Weimarer Bibliothek) mit ca. 8.400 Bände aus allen Wissenschaften, insbesondere der Geschichte und der klassischen Philologie. Teil von Schurzfleischs Sammlung waren u.a. die Büchersammlung des Wittenberger Professors und Schriftstellers August Buchner und zahlreiche Stücke Bibliothek des holländischen Philologen Nicolaus Heinsius mit seltenen Drucken und Handschriften.
  • Abonnements von damaligen Zeitschriften wie beispielsweise das "Journal des Savants" (Jahrgänge 1665-1728), die "Philosophical Transactions of the Royal Society" (1665-1782), die "Acta Eruditorum" (1682-1731) oder das "Giornale dei Letterati" (1710-1716).

Johann Matthias Gesner?, Weimarer Bibliothekar von 1723 bis 1728, kommt der Verdienst zu, die Büchersammlung erstmals komplett erschlossen und somit als Bibliothek im eigentlichen Sinne benutzbar gemacht zu haben.

Nach der dem Tod des Herzogs Wilhelm Ernst geschuldeten Entlassung Gesners 1728 kam die Bibliothekserweiterung nahezu zum Erliegen. Jahre später erst wurde durch Herzog Ernst August Constantin ein jährlicher Etat von 400 Talern für Bücheranschaffungen festgelegt, wodurch die Bibliothek wieder kontinuierlich erweitert werden konnte.

Von 1753-1778 war Johann Christian Bartholomaei als Bibliothekar tätig. Zeugnis seiner Arbeit war ein Realkatalog? in 60 Foliobänden. Er enthielt:

  • 6 Bände theologische Literatur
  • 12 Bände juristische Literatur
  • 5 Bände medizinische und naturwissenschaftliche Literaur
  • 29 Bände geschichtliche Literatur
  • 2 Bände philosophische Literatur
  • 4 Bände philologische Literatur
  • 2 Bände technische Literatur

Beispiele für Neuanschaffungen und katalogisierte Sondersammlungen in dieser Zeit sind:

  • 1756 Übernahme der Handbibliothek des Herzogs Ernst August Constantin mit etwa tausend wertvolle Drucke, darunter die Encyclopédie.
  • 600 Bibeln (darunter die Lutherschen Übersetzungen des Neuen Testaments vom September und Dezember 1522).
  • eine rund 1.200 Bände umfassende Katechismussammlung? des Theologen Caspar Binder
  • eine 2.800 Stücke umfassende Sammlung von Flugschriften, darunter 1.000 Drucke Luthers
  • 1779 Kauf der Sammlung von Gottfried David Schöber aus Gera, welche u.a. eine Reihe von Meistersingerhandschriften? des 14.-17. Jahrhunderts beinhaltete.

1766 erfolgte unter Herzogin Anna Amalia der Umzug aus dem Residenzschloss in das Grüne Schloss mit dem im Stil des späten Rokoko errichteten Bibliothekssaal.

1774 überließ Anna Amalia einen Teil ihrer Bücher- und Notensammlung der Bibliothek. Der etwa 5.000 Bände umfassende Rest folgte 1807 nach dem Tod Anna Amalias. Wertvoller Kern dieses Sammlungsteils sind 500 deutsche Dramen aus der Zeit von 1450-1750.

1797 bis 1920

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Von 1797 an rückte die Weimarer Bibliothek in die Riege der großen deutschen Bibliotheken auf. Wesentliche Verantwortung für diese Entwicklung trugen Johann Wolfgang von Goethe und sein Ministerkollege Christian Gottlob Voigt, welche 1797 von Herzog Carl August mit der Oberaufsicht über die Bibliothek beauftragt wurden.

Beeindruckender Ausdruck für deren Verdienste ist die Aufstockung des Bibliotheksbestandes von etwa 60.000 Bänden im Jahr 1797 auf etwa 132.000 Bände 1832.

Eine Auswahl der Zugänge dieser Epoche:

  • 1798 überlässt Carl August eine Sammlung von Flugschriften? und Pamphleten zur Französischen Revolution.
  • 1805 findet seine Kollektion von Erotica? den Weg in die Bibliothek.
  • 1805 Kauf von 275 Stammbüchern? aus dem Besitz von Christian Ulrich Wagner aus Ulm.
  • 1825 übergibt Carl August die 4.000 Bände umfassende Militärbibliothek sowie die 6.000 Einheiten zählende Kartensammlung.
  • Erwerb von Handschriften, vor allem Breviarien?, Missalen? und Chroniken?, aus Erfurtern Klöstern, darunter eine um 1350 entstandene Biblia pauperum.
  • 1807 Übernahme von 900 Bänden zur englischen Geschichte und Literatur aus dem Nachlass? von Charles Gore.
  • 1809 Kauf der 1.600 Bände umfassenden Bibliothek des Carl Ludwig Fernows mit seltenen italienischen Drucken sowie der Bibliothek des Christian Joseph Jagemanns mit weiteren zahlreichen italienischen Ausgaben. Anschließende Ergänzung des italienischen Sammlungsteils durch einen entsprechenden Posten aus dem Besitz von Christian August Vulpius?.
  • Außerdem erfolgte über die Jahre hinweg ein reger Austausch mit den Jenaer Bibliotheken.

Der Arbeit von Vulpius ist es zu verdanken, dass der enorme Zuwachs dieser Zeit verwaltet und katalogisiert werden konnte.

Bis zum Jahr 1875 wuchs der Gesamtbestand der Bibliothek auf etwa 170.000 Bände. Beispielsweise erhielt die Bibliothek durch das Weimarer Lesemuseum jeweils nach Jahresfrist 80 Zeitungen und Zeitschriften, die zuvor von den Mitgliedern gelesen wurden. Regelmäßige Anschaffungen wurden durch einen festen Etat von 1.000 Reichstalern sowie weiteren 500 Reichstalern aus einem Sonderfonds des Großherzogs.

Als wichtigste Zugänge in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten:

  • 1862 Übernahme der Herzog-Bernhard-Bibliothek mit 2.500 Titeln zur Militärgeschichte, zur Länderkunde (insbesondere zu den Niederlanden) sowie Reisebeschreibungen und französischen Dramen.
  • 1893 Erwerb der 2.100bändigen Sammlung von Reinhold Köhler mit vor allem germanistischen? Werken, Schriften zur Volkskunde, insbesondere seltener Märchen- und Volksdichtung.

1920 bis 1990

1920 wurde die Großherzogliche Bibliothek in Thüringische Landesbibliothek umbenannt. Pro Jahr standen in den 1920er Jahren nur etwa 5.000 Reichsmark zur Verfügung, in den 1930er Jahren sogar nur 3.000. Dies ermöglichte lediglich einen jährlichen Bestandszuwachs von durchschnittlich 1.000 Bänden mit Literatur zu den traditionellen Sammelgebieten sowie populärwissenschaftliche Veröffentlichungen aller Art.

Glücksfälle waren dagegen 1927 das Vermächtnis von Wilhelm Fröhner und der Büchernachlass des Weltreisenden Ernst von Hesse-Wartegg. Fröhners Bibliothek umfasste eine rund 8.000 Bände zur Philologie und den Altertumswissenschaften, darunter seltene Flugschriften? des 16. Jahrhunderts und orientalische Handschriften?. Hesse-Warteggs Sammlung beinhaltete u.a. kostbare Reisewerke des Erzherzogs Ludwig Salvator. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt die Landesbibliothek einige hundert Bücher aus der zwangsversteigerten Bibliothek Harry Graf Kesslers. Weitere Übernahmen jüdischer Privatbibliotheken sind nicht bekannt.

Von den ca. 500.000 Bänden wurden im Zweiten Weltkrieg etwa 200.000 an acht verschiedene Stellen ausgelagert. Bis 1948 konnte bis auf kleinere Verluste der gesamte Bestand wieder nach Weimar rückverlagert werden. Bedeutenden Zuwachs erhielt die Weimarer Bibliothek per Testament durch die Übernahme der Sammlung Georg Haar, welche zahlreiche handsignierte bibliophile Ausgaben und Pressendrucke (Cranach-Presse?) aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhundert enthielt. Im gleichen Zeitraum wurden 9.300 Titel aus der Bibliothek entfernt, da sie der faschistischen und nationalsozialistischen Ideologie nahe standen. Für beträchtlichen Bestandszuwachs über die Jahre hinweg sorgte von 1953 bis 1982 die Abgabe der Pflichtexemplare? aus den Verlagen der Bezirke Erfurt, Gera und Suhl.

1969 wurde die Thüringische Landesbibliothek wurde mit der Institutsbibliothek der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur zu Weimar vereinigt und hieß fortan Zentralbibliothek der deutschen Klassik. Die Neuerwerbungen konzentrierten sich dadurch auf die deutsche Literatur der Periode 1750 bis 1850.

Durch die Zusammenführung mit der Institutsbibliothek der Forschungsstätten gelangten einige besonders wertvolle Privatsammlungen in den Bestand der Weimarer Bibliothek:

  • die Privatbibliothek Goethes, deren Standort jedoch im historischen Wohnhaus am Frauenplan verblieb,
  • die noch erhaltenen Stücke der Privatbibliothek Schillers,
  • die Familienbibliothek von Arnim, die etwa 5.300 Bände vorwiegend aus dem 16. bis 18. Jahrhundert umfasst,
  • die Reste der Privatbibliothek Liszts mit 200 Bänden sowie eine Sammlung aus dem Besitz der Liszt-Forscherin Lina Ramann,
  • die Privatbibliothek Nietzsches mit nahezu 1.000 Bänden plus der von Elisabeth Förster-Nietzsche angelegten Ergänzungssammlung,
  • über 10.000 Bände der Faustus-Sammlung von Gerhard Stumme,
  • zahlreiche Almanache?, Kalender? und Taschenbücher aus der Goethezeit,
  • die vorwiegend die Literaturwissenschaft des 20. Jahrhunderts betreffende Julius Petersen-Bibliothek mit 7.500 Bänden und schließlich
  • die reichhaltige Bibliothek der Goethe-Gesellschaft?.

Doch entstanden ab dem Jahr 1969 auch Verluste. Beispielsweise mussten mindestens 5.000 Bände zu Naturwissenschaft, Theologie, Landwirtschaft, Medizin usw. an die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände in Berlin abgeliefert werden.

1991 bis heute

Als Reverenz an ihre größten Förderin, die Herzogin Anna Amalia, gab sich die Bibliothek zur Feier des 300-jährigen Jubiläums am 18. September 1991 deren Namen. Die Bibliothek bekennt sich damit - neben dem Kernsammlungsbereich zur deutschen Literatur der Zeit von 1750 bis 1850 - auch zur Vielfalt ihrer historischen Bestände und möchte sich somit als geisteswissenschaftliche? Forschungsbibliothek auf breiter Basis verstanden wissen.

Dass dies nicht nur Wunsch sondern gelebte Realität ist, kommt u.a. 1994 in der Übertragung der 10.000 Bände umfassenden Shakespeare-Bibliothek der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft? in das Eigentum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zum Ausdruck. Diese Sammlung enthält ca. 3.000 Bände aus der Zeit vor 1900.

Im Jahr 2008 konnte die Bibliothek ein Rekordinteresse verbuchen. Im Lesesaal? und in der Ausleihe? waren 71.000 Nutzer registriert. Dieser Wert umfasst im Vergleich zum Jahr vor der Brandkatastrophe das mehr als Dreifache. Als Gründe für diesen Erfolg werden die gute Atmosphäre im neuen Studienzentrum und das attraktive Literaturangebot genant. Allein die Freihandbibliothek hält mehr als 120.000 Exemplare bereit. Zudem wird der Bestand fortlaufend ergänzt. So gab es im Jahr 2008 rund 16.000 Neuerwerbungen, wofür ca. 1,1 Millionen Euro zur Verfügung standen.

Brand und Sanierung

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Am 2. September 2004 kam es zu einem verheerenden Brand, in dessen Folge das Grüne Schloss erheblichen Schaden davontrug. Etwa 50.000 Bücher wurden komplett vernichtet und weitere rund 62.000 Exemplare wurden teils stark beschädigt. Fast vollständig verbrannt ist die Musikaliensammlung der Namenspatronin Herzogin Anna Amalia. Mehr als neunhundert Helfer haben noch in der Brandnacht sowie an den Tagen danach Tausende Bücher und Kunstwerke aus Gebäude und Schutt geborgen. Auch dank dieses Handelns blieben große Teile der wertvollen Sammlung erhalten.

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Eine Aufstellung der Verluste ist auf der Website „Hilfe für Anna Amalia“ zu finden, ebenso Abbildungen und Zeichnungen zum Brandgeschehen und dessen bauliche Folgen. Nach einem Gutachten des Bundeskriminalamts vom Februar 2005 war die vermutliche Ursache für den Brand eine defekte Elektrokabelverbindung. Eine korrodierte Klemmverbindung schmorte bereits längere Zeit hinter einer Wandverkleidung im Dachgeschoss, bevor die Brandmelder Alarm schlugen.

Eine besondere Tragik erhält dies durch die zuvor bereits geplante Sanierung des Gebäudes. Nur wenige Wochen nach der Brandnacht sollte mit der Auslagerung der Bestände begonnen werden.

Die damaligen Sanierungskosten für das historische Stammgebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurden auf ca. 8,4 Millionen Euro geschätzt. Die Brandschäden verursachten darüber hinaus Mehrkosten von etwa 3 Millionen Euro allein für die Sanierung des Gebäudes. Übernommen wurden diese Mehrkosten vom Bund, vom Freistaat Thüringen sowie der Allianz Kulturstiftung.

Das Richtfest feierte man am 24. Oktober 2005. Im 200. Todesjahr der Herzogin Anna Amalia wurde im Oktober 2007 das Grüne Schloss nach umfassender Sanierung wiedereröffnet und seit dem 1. Dezember 2007 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Bereits am 5. Februar 2005 wurden die Freihandbereiche? des neuen Studienzentrums im neuen Magazin? für die Bibliotheksbenutzer geöffnet. Den Mittelpunkt bildet der der sogenannte Bücher-Kubus. In diesem Teil der Herzogin Anna Amalia Bibliothek werden mehr als 100.000 Medien? frei zugänglich sein.

Bibliotheksdirektor Michael Knoche schätzte die Kosten für Buchrestaurierung und Wiederbeschaffung auf bis zu 67 Millionen Euro. Bis zum Oktober 2007 spendeten fast 20.000 Personen und Institutionen Geld oder Bücher. Im Januar 2009 endete ein Rechtsstreit zwischen der Klassik Stiftung und dem Hauptversicherer Axa Art vor dem Landgericht Erfurt. Danach erhielt die Klassik Stiftung 5 Millionen Euro von der Versicherung als Entschädigung. Ursprünglich hatte sie 20 Millionen Euro gefordert. Die Versicherung hatte sich dagegen mit dem Argument gewehrt, dass die verbrannten Bücher nicht unter den Versicherungsschutz fielen, da dieser nur ausleihbare Gegenstände erfassen würde.

Buchrestaurierung

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Insgesamt waren nach der Brandnacht 118.000 geschädigte Bände zu versorgen. 62.000 wassergeschädigte Bücher wurden eingefroren und anschließend im entrum für Bucherhaltung?, Leipzig, gefriergetrocknet. 28.000 Bände davon weisen zudem Brandschäden auf. Bereits wieder eingeordnet sind 14.000 Exemplare, die nur geringe Schäden erlitten.

Weitere 46.000 Bände aus dem Coudray-Anbau wurden durch Ruß und Rauch beschädigt bzw. durch DDT und Lindan kontaminiert. Auch diese sind bereits wieder in die Bibliothek eingeordnet, nachdem sie 2005 gereinigt und dekontaminiert wurden. Etwa 10.000 Bände mit Ruß- und Schimmelschäden aus dem Gentz-Anbau konnten noch nicht behandelt werden. Für sie sind die Versicherungsfragen noch nicht vollständig geklärt.

Im November 2005 wurde die Restaurierung - als erste Tranche die aufwändigere Restaurierung von 762 Büchern - öffentlich ausgeschrieben. Regelmäßig folgten und folgen weitere Ausschreibungen für die am stärksten betroffenen Exemplare.

Nutzungskonzept ab der Wiederöffnung 2007

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Im Zuge der Wiedereröffnung der nunmehr sanierten Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Oktober 2007 wurde deren Nutzung neu konzipiert:

  • Das Grüne Schloss fungiert in Ergänzung mit dem Studienzentrum im Gebäudekomplex Gelbes/Rotes Schloss sowie dem Tiefmagazin als Zentrum für das alte Buch. Hier werden alle musealen und bibliothekarischen Dienstleistungen gebündelt, welche die ältesten und wertvollsten Bestände betreffen.
  • Der festliche Renaissancesaal im Erdgeschoss wird erstmals auch ein Ort für Buchausstellungen sein.
  • Ebenfalls im historischen Bibliotheksgebäude untergebracht werden die Werkstatt für Buchrestaurierung und -konservierung, die Abteilung Sondersammlungen und die Direktion.
  • Nicht rekonstruiert wird die 2004 völlig verbrannte 2. Galerie des Rokokosaals. Hier wird ein Sonderlesesaal für das Studium der Handschriften?, Inkunabeln, Musikalien?, Landkarten?, Globen etc. und Teile der Sondersammlungen entstehen, welche besondere Nutzungsbedingungen verlangen.
  • Die Funktion des Foyers kommt dem ehemaligen Lesesaal? im Erdgeschoss des Grünen Schlosses zuteil.
  • Der zum Park hin befindliche Renaissancesaal wird als Ausstellungsraum genutzt.
  • Räume zur Einführung in die Geschichte der Bibliothek werden im Coudray-Anbau eingerichtet. Wie zur Zeit der Erbauung kann von hier aus der Rokokosaal betreten werden.
  • Die Besichtigung des Bibliotheksturmes kann entweder über das Foyer im neogotischen Turmanbau von außen oder vom Foyer im Grünen Schloss über das Erdgeschoß des Gentz-Anbaus erfolgen.

Als Leitgedanke für die Nutzung des Grünen Schlosses gilt, das Haus wie in den vergangenen Hunderten von Jahren als Lern- und Forschungszentrum für das alte Buch lebendig zu halten.

Bestand

Den Schwerpunkt der Herzogin Anna Amalia Bibliothek bildet die deutsche Literatur zwischen 1750 und 1850. Der Bestand von rund 1 Million Druckwerken untergliedert sich wie folgt:

  • ca. 1 Million Druckwerke
    davon
  • ca. 500 Inkunabeln
  • ca. 2.000 mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften?
  • ca. 600 Stammbücher?
  • ca. 10.000 Kartenwerke? und Globen
  • ca. 4.000 Musikalien? und Musikhandschriften
  • ca. 2.000 Tonträger
  • ca. 60.000 Mikroformen (nach Einzelstücken)
  • ca. 11.000 Zeitschriften? und Periodika (davon 850 laufend)
  • ca. 500 CD-ROM u. a. elektronische Datenträger.

Über die Webseiten der Klassik Stiftung Weimar? kann in verschiedenen Katalogen und Aufstellungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek recherchiert werden. Nutzbar sind:

  • Online-Katalog
  • Neuerwerbungen online
  • Monographien Digital
  • Weimarer Goethe-Bibliographie
  • Weimarer Nietzsche-Bibliographie
  • Personal- und Gelegenheitsschriften
  • Verlust- und Schadensdokumentation
  • Brandverluste
  • Online-Katalog NS-Raubgut
  • Bertuchsches Verlagsverzeichnis
  • Landkartendrucke vor 1850
  • Inkunabelkatalog

Kontakt und Öffnungszeiten

Allgemeiner Kontakt

Klassik Stiftung Weimar
Direktion Herzogin Anna Amalia Bibliothek
Platz der Demokratie 4
99423 Weimar

Tel. 03643 | 545-200
Fax 03643 | 545-220

Lesebereiche / Kataloge / Auskunft

Mo - Fr 9 - 21 Uhr
Sa 9 - 16 Uhr

Kontakt
Tel. 03643 | 545-205
Fax 03643 | 545-829
info-haab@klassik-stiftung.de

Für die Benutzung bestimmter Sonderkataloge sowie der Sonderbestände empfiehlt sich eine Voranmeldung.

Ausleihe

Mo-Fr 9-18 Uhr
Sa. 9-16 Uhr

Kontakt
Tel. 03643 545-206
Fax 03643 | 545-829
ausleihe@klassik-stiftung.de

Fotothek

Mo-Fr 11-17 Uhr

Kontakt
Tel. 03643 | 545-823
Fax 03643 | 545-822
foto@klassik-stiftung.de

Literatur

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